Britta Dräger

Britta Dräger, Jahrgang 1984, ist Saarländerin und lebt zusammen mit ihrem Partner, Testleser und Kritiker der ersten Stunde, in St. Wendel.

Ihr erstes Buch las sie noch vor der Grundschule. Sie wollte schnellstmöglich wissen, was Michel aus Lönneberga noch alles anstellen würde und war zu ungeduldig darauf zu warten, bis die Eltern oder die beiden älteren Brüder ihr vorlasen.

Ihre erste Kurzgeschichte mit einer stolzen Länge von zwölf Seiten schrieb sie dann in der fünften Klasse. Sie handelte von einem Jungen, der entführt wurde und trug den originellen Titel „Die Entführung“.

Im Geschichtsunterricht der zehnten Klasse legte Frank McCourts Roman „Die Asche meiner Mutter“ schließlich den Grundstein für ihr späteres Sozialpädagogikstudium. Schon damals faszinierten sie Menschen und ihre Geschichten. Wie schafften sie es immer wieder unter widrigsten Umständen ihre Probleme zu lösen und einen Weg in ein lebenswertes Leben zu finden? Dem galt es auf den Grund zu gehen. Neben einem Studium der Sozialpädagogik liebäugelte sie zeitweise auch mit Jura, um wie die neurotische Soap-Anwältin Ally McBeal im Gerichtssaal für Gerechtigkeit zu kämpfen. Oder mit der Psychologie, um als Profilerin beim Bundeskriminalamt verkorksten Täterpersönlichkeiten auf die Spur zu kommen. Allerdings gibt das BKA Wiesbaden auf seiner Website einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Arbeit in der Operativen Fallanalyse nur wenig gemein hat mit der Darstellung in den einschlägigen Krimiserien. Und auch die Tätigkeit einer Verteidigerin im Gerichtssaal schien, nach dem Besuch einer Verhandlung im Rahmen eines Schulprojektes, nicht das zu sein, was sie sich für ihr Berufsleben vorstellte.

In den folgenden Jahren begegnete sie in ihrer beruflichen Tätigkeit in verschiedenen psychiatrischen Kontexten vielen interessanten, inspirierenden und bewundernswerten Menschen. Indem sie ihren Geschichten zuhörte, lernte sie, dass das Erzählen über Erlebtes immer auch ein Stück weit die eigene Biographie mitschreibt. Ob das eigene Leben als Heldenreise oder als Trauermarsch erzählt wird, ist immer einer Sache des Blickwikels. Möglich ist beides. Und das ist das Tolle am Geschichtenerzählen.

Ungefähr im Winter 2016 machte die Autorin es sich mit einem neuen Buch auf dem Sofa gemütlich. Nach etwa fünfzig Seiten klappte sie es zu mit dem Gedanken: Ob ich das nicht besser hinbekomme? Also tauschte sie das Buch auf ihrem Schoß gegen den Laptop und fing an.